Nicht nur äußerer Space, sondern auch innerer Space. Der Dancefloor ist heilig, ist ein Tempel. Für den Partygast bildet die Dekoration die Brücke vom äusseren Platz zum inneren Raum (Space), und der Bau dieser Brücke ist die Energiearbeit, die ein Deko-Artist leisten sollte. Mit audiovisuellen Eindrücken können die Leute in Ekstase versetzt, aber auch in den Wahnsinn getrieben werden. Beides ist Geschichte.

Was die Goa-Szene von vielen anderen Musikszenen unterscheidet, ist, dass jede Party auf eine einzigartige Weise dekoriert und designed ist. Einen nachhaltigen Eindruck auf einige der heute noch tätigen Künstler hatten vor allem die ersten Partys, die 1990 in Goa/Indien stattfanden. In dieser Zeit wurden von vielen Künstlern und Helfern der Dancefloor tagelang vorher liebevoll gestaltet, ein Paralleluniversum, und das nur für eine Nacht…Was für ein Luxus! Aber genau DAS, zusammen mit der Musik, machte die Party zu einem Happening, an das sich die Leute heute noch erinnern.

 

Während die Techno- und House-Szene mehr auf Lightshows, Stroboskop und Nebel setzte, spielte in der Goa-Szene von Anfang an Schwarzlicht eine zentrale Rolle. Psytrance-Kunst wird oft auch mit Schwarzlichtkunst gleichgesetzt, die auch immer wieder in eigenen Ausstellungen präsentiert wird. Entsprechend entstand eine ganze Kultur, die Bilder, Objekte, ja ganze Landschaften kreierte, die bei normalem Licht so nicht zu sehen sind. So wurde die Nacht zu Alice im Wonderland und am Tage wurde meistens in der schönen Natur gefeiert, im Wald, am Beach, in den Bergen und bitte: immer unter der Sonne. Auch waren in der Techno-Szene anfangs große Indoor-Events, Clubs und Diskotheken beliebt, die wohl über gute Sound- und Lichtanlagen verfügten, aber nur spärlich dekoriert waren. Für die Goa- und Psytrance-Szene war und ist dies immer noch undenkbar.

Von der ersten Stunde an wurde dem Publikum ein besonders gestalteter Raum zur Verfügung gestellt und bis heute wollen die Veranstalter gemeinsam mit DJs und Künstlern bei jeder Party ein Highlight setzen. Dieses generiert sich in erster Linie über die Sinne. Das Herzstück einer jeden Party ist der Dancefloor, der durch die spezielle Gestaltung auf die Tänzer einwirkt. Dies wird zunächst optisch wahrgenommen, doch die beabsichtigte Wirkung geht sehr viel tiefer. Als neuzeitlicher Tempel soll die Tanzfläche inspirieren, motivieren, energetisieren, den Tänzer in andere Zustände versetzten und den Geist öffnen. Wenn also soziologisch betrachtet die Techno-Szene als eine Event-Kultur bezeichnet wird, die sich aus dem Reiz des Besonderen und Originellen speist , so gilt dies unter dem Aspekt von Dekoration und Design für die Goa-Kultur um so mehr.